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Daniel McAuley 2017 (right guy) (scs.cme.edu)

Poker-AI Liberatus gewinnt 1,76 Millionen Dollar gegen Poker-Profis

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Das war wirklich nicht eng.

Ein neuer Poker-Bot, entwickelt an der amerikanischen Carnegie Mellon University in Pittsburgh hat ein Team von vier professionellen Pokerspielern über 120.000 Hände vernichtend geschlagen.

"Brains vs. AI" wurde das Match genannt und wurde im River Casino in Pittsburgh im Januar ausgetragen. Die vier Spieler Dong Kim, Daniel MxAulay, Jimmy Zhou und Jason Les verloren am Ende in Summe 1,76 Millionen (fiktive) Dollar.

Claudico 2

Es ist nicht das erste Mal, dass sich eine Gruppe von Profispielern dem Match mit einem hochentwickelten Bot aussetzt. Aber es ist das erste Mal, dass die Profispieler so vernichtend geschlagen wurden.

Dieses Ergebnis ist vor allem deswegen signifikant, da die gespielte Variante Heads-Up No-Limit war – eine Variante, die bis vor kurzem noch als zu komplex für Computer galt.

Die neue AI heißt Libratus (ausgeglichen) und ist eine Weiterentwicklung des Poker-Bots Claudico, welcher vor zwei Jahren eine ähnliche Challenge absolvierte, allerdings gegen die menschlichen Spieler damals noch deutlich verlor.

Libratus hat das Spiel gegen sich selbst trainiert und Milliarden Pokerhände wieder und wieder gegen sich selbst simuliert, um für jede Situation eine möglichst optimale Spielweise zu finden.

Libratus spielt mehr oder weniger perfekt, völlig ausgeglichen und es gibt keine funktionierende Strategie gegen den Bot.

"Viel schwerer als gedacht"

Die Profis, allesamt Schwergewichte in der Pokerszene, hatten eine eindeutige Meinung zu der AI: Sie war unglaublich stark, das Spiel war weitaus schwerer als gedacht.

Nach jedem Spieltag schauten sich die Spieler das Geschehen an und entwickelten eine Gegenstrategie zu dem Bot. Allerdings passte sich dieser in Windeseile an und nahm die menschlichen Spieler Tag für Tag nach Strich und Faden aus.

Jeder einzelne Spieler hatte am Ende 30.000 Hände gegen die Maschine gespielt, wobei diese gespiegelt wurden. Das heißt das für jede Hand eine Hand mit umgedrehten Hholecards parallel bei einem anderen Spieler gespielt wurde.

Kim Dong, der auch schon an der letzten Challenge gegen Claudikot teilnahm, schnitt noch am besten ab und verlor nur 85.000 Dollar in Chips. Den größten Verlust akkumuliert Jason Les, der fast 800.000 Dollar verlor.

Was heißt das alles für Poker?

Mit dem Erfolg von Libratus stellt sich ein wenig die Frage nach der Zukunft von Poker. Für die Informatik und Computerwissenschaft war der Libratus-Sieg auf jeden Fall ein Meilenstein.

Pokerspieler müssen sich jedoch Mindestmoment noch keine sonderlich großen Sorgen machen, zukünftig gegen Libratus zu spielen. Der Bot lief auf einem 10 Millionen Dollar teuren Supercomputer und kann nur Heads Up Hold'em spielen.

Bei mehr als zwei Spielern versagt der Bot und auch komplexere Spiele wie Omaha sind noch lange nicht gelöst.

Es ist zwar nur eine Frage der Zeit, bis Wissenschaftler auch diese Spiele knacken werden, doch im Live-Bereich wird man auch zukünftig keine Bots antreffen und online sind diese von allen Anbietern verboten und harsche Strafen regulieren dieses Verbot derzeit recht erfolgreich.